Terrasse und Sichtschutz

Gartengestaltung heute: Der Garten als Ziel


Der Garten, sowie die Zucht von Nutzpflanzen und Rosen ist ein uraltes Kulturgut des Menschen und so ist die Freude am Gestalten, Pflanzen und Pflegen sicher ein uraltes Vergnügen und eine uralte Kunstfertigkeit. Das Gestalten folgte dabei gewissen Regelwerken, auf welche wir heute zurückgreifen, wenn wir neue Ideen und Formen im Garten verwirklichen. Die Größe der Gartenanlage tut dabei nichts zu Sache und so gelten die in der Folge beschriebenen Grundsätzlichkeiten für kleine und kleinste Gärten ebenso, wie für große Gärten und Parkanlagen. Dieser Leitfaden ist kein starres Regelwerk, sondern er beschreibt Beobachtungen, so wie es die alten Gartengestalter taten, von denen in der Folge einiges zitiert werden soll.
Gestaltungsregeln sind keine starren Gesetzeswerke, sondern Beobachtungen.

Meine Ausführungen fordern auf, das Auge zu schulen. Flüchtig sehen wir über Formen und Farben in unserer Umgebung hinweg und erst die stille Beobachtung des Gartenlebens weckt die Liebe zur Natur und lässt Wünsche wach werden. Aus längst vergessenen Erinnerungen und aus Träumen fließen Ideen und langsam entsteht daraus ein geordneter Plan.
Formuliere deutlich deine Wünsche! Das heißt: richte dein Auge auf dich selbst und stelle fest, was du wirklich willst. Möchtest du nur den vermeintlichen Anforderungen der Nachbarschaft gerecht werden - willst du sie übertreffen, oder möchtest du deinen eigenen, ganz persönlichen Traumgarten Wirklichkeit werden lassen?

Hast du Klarheit über dein Wollen, so ist der nächste Schritt der Planung die Zusammenfassung deiner verschieden Ideen hin zu einem durchbildenden Grundgedanken und Grundkonzept der Gartenanlage.
 
Der legendäre Fürst Pückler (1785-1871) führte dazu weiter aus: „der leitende Gedanke muss in jeder Einzelheit der Gartengestaltung zu erkennen sein, aber damit verlange ich keineswegs, dass auch schon im voraus der genaue Plan der Ausführung bis in jede Einzelheit entworfen und streng daran festgehalten wird. Gerade das Gegenteil möchte ich in gewisser Hinsicht empfehlen.”
Gartengestaltung ist nichts Endgültiges. Der Garten, den wir heute anlegen ist in 10 Jahren nicht mehr derselbe. Setze dich gegen diese Veränderlichkeit nicht zur Wehr, auch in dem Sinne, dass sich deine Wünsche und Bedürfnisse mit der Zeit verändern. Nur ist bei nachträglichen Umgestaltungen des Garten besondere Sorgfalt geboten und du darfst nicht mit einem Schlage die Seele des Ortes zerstören, also den Leitengedanken des Garten aufgeben. Nie darf dieses Leitmotiv durch Willkür oder durch Gedankenlosigkeit gebrochen werden. Der Gartengestalter Will Lange (1864-1941) schrieb hierzu:
„In der Gartengestaltung entscheidet der leitende Gedanke über das, was in ihm auftreten darf, und über das, was ausgeschlossen werden muss. Auch die Formen werden dadurch bestimmt, denn sie gehen ja aus dem Inhalt - dem Zweck hervor, und die Farben: denn die letzteren sollen den geistigen Stimmungsgehalt verstärken, klären, aber nicht stören. Wer gibt uns das Thema für den Garten? Antwort: Wir nehmen die leitenden Gedanken aus uns, aus unseren Beziehungen zu den Dingen, aus den Dingen selbst. So wird jeder Garten charakteristisch. Er wird persönlich aus der Individualität des Besitzers oder des Zweckes heraus gestaltet: Die Kunst der Gartengestaltung wird durch klare Durchführung der Leitmotive zur Persönlichkeitskunst.” Nach W. Lange, Die Gartengestaltung der Neuzeit Leipzig 1907

Der Garten des 20. Jahrhunderts bestand im Wesentlichen aus zwei Komponenten: aus Wegen und Grün. Auch Parkanlagen wurden fast immer so angelegt, dass sie auf endlosen und ohne Ziel erscheinenden bogenförmigen Wegesystemen durchschritten werden konnten. Ich erinnere mich noch genau daran, wie langweilig mir in den Kinderjahren Besuche in den streng formalen Barockgärten waren, oder schlimmer noch die Landschaftsgärten. Immer nur laufen und spazieren gehen ... endlose Wege, Wiesen, Baumalleen, ein paar Rosen und langweilige Parkbänke. In den Heckengärten konnte man sich wenigstens noch verstecken - doch im Park und in der gewöhnlichen Gartengestaltung: nur krumme Wege.

Nachgeahmt im Kleinen versuchte das so mancher Gartengestalter mit gekrümmtem Vorgartenweg und feiert dieses als gestalterischen Höhepunkt. Doch der Garten ist mehr als eine Durchgangshalle. Der Garten selbst ist das Ziel. Er ist der ruhende Punkt, an dem die Wege enden und so muss den beiden oben genannten Komponenten noch eine Dritte hinzugefügt werden: Garten-Plätze --- die jüngeren Gartengestalter haben dies seit Jahren erkannt und so sind die Gärten des neuen Jahrtausend

 Der Garten ist mehr als eine Durchgangshalle. Der Garten selbst ist das Ziel. Er ist der ruhende Punkt, an dem die Wege enden.